Eine Patientengeschichte zum Schmunzeln oder: Hämorrhoiden?
 
Fred M. kommt in meine Praxis wegen Schlafstörungen. Der vital aussehende Mann klagt darüber, fast jede Nacht zur gleichen Stunde zu erwachen und ...überhaupt sei sein Schlaf sehr unruhig.

Es ginge ihm mittlerweile auf die Nerven. Er sei leitender Angestellter eines weltweit tätigen Konzerns im Bereich Landwirtschaftlicher Geräte und könne sich keine Patzer leisten, weil er schlecht geschlafen hätte und deshalb seine Konzentration in der letzten Zeit erheblich nachgelassen habe.
Seine Lebensgefährtin hätte schon gedroht, ihn zu verlassen, wenn er weiterhin so reizbar und schlecht gelaunt sei. Über eine Freundin, die mit ihrer Familie seit langem zu mir käme, sei er an mich verwiesen worden mit den Worten: "Geh mal da hin Fred, wenn das einer hinkriegt, dann die Frau Henn."
Nun gut, der Mann hatte keine Ahnung, wie eine homöopathische Anamnese abläuft und wunderte sich schon ein wenig darüber, dass ich so unterschiedliche Fragen stellte, die für ihn scheinbar nichts mit seinem "Problem" zu tun hatten.

Unter anderem stellte ich auch die Frage nach Gefäßproblemen in den Beinen und ob er schon einmal Hämorrhoiden gehabt hätte. Vehement sagte er: "Diese ekelhaften Dinger, ich könnte verrückt werden, so jucken und stechen die. Ständig habe ich die..."

Zum ersten Folgetermin nach vier Wochen konnte der Patient nicht kommen, da er beruflich überraschend im Ausland war. Er rief mich aber kurz persönlich an, um den Termin abzusagen und um einen neuen zu vereinbaren. Dabei berichtete er begeistert, er schliefe mittlerweile wie ein Murmeltier und ohne zu erwachen durch und das sei tatsächlich schon wenige Tage nach Gabe des homöopathischen Mittels so gewesen.

Beim erneuten Termin, den er unmittelbar nach der Rückkehr von seinen Auslandsgeschäften hatte, fragte ich ihn dann natürlich am Ende des Fragebogens, der in seiner Karteikarte lag:
"Und was ist mit den Hämorrhoiden?"
Entrüstet fragte er mich:"WELCHE HÄMORRHOIDEN???"
Worauf ich entgegnete "Ja ihre meine ich ... (????)"
Der Patient darauf wieder völlig entrüstet: "ICH HABE KEINE HÄMORRHOIDEN!"

Obwohl ich immer, bevor ich mit dem Patienten die Behandlungssitzung beginne, nochmals zur Sicherheit auf die Karte schaue, -damit ich auch ganz sicher die richtige Patientenkarte vor mir habe-, war ich irritiert.

Sollte ich die falsche Karte vor mir liegen haben? Nein, das konnte nicht sein. Ich schloss das Patientenblatt und las langsam und deutlich seinen Namen und seine gesamten Daten vor. Dann fragte ich: "Also, sind wir uns einig, dass SIE hier vor mir sitzen? Dann haben SIE mir folgendes zu ihren Hämorrhoiden gesagt...." und dann las ich ihm alles o.g. vor

Der Patient wurde rot, stammelte, entschuldigte sich: "Die sind so was von weg, die dämlichen Dinger, das hab ich total vergessen, das ich die überhaupt mal hatte. Mein Gott, ist mir das peinlich ... Aber da kann ich ja nur nochmals Danke sagen, wo sie mir ja schon mit dem Schlaf so geholfen haben"

Beim nächsten Termin, nach etwa zwei Monaten, brachte er mir eine schöne Orchidee mit. Die habe seine Freundin ausgesucht. Ihm läge so was nicht besonders...aber die Freundin hätte gesagt: "Fred, du findest auch wirklich jedes Fettnäpfchen ... da hast du aber jetzt was gutzumachen" und Sie hätte ihm dann den Topf mit den Blumen hingestellt, berichtete er schmunzelnd.

Einen kleinen Rückfall der "blöden Dinger", nach etwa einem Jahr, bekamen wir in wenigen Tagen wieder in den Griff. Wenn wir uns zufällig mal in einem Geschäft oder Restaurant treffen, müssen wir beide lachen. Ich glaube es ist klar, warum ...